Zum Inhalt springen
QARFQuelle aromatischer Röstungen & feiner Tees

Entkoffeinierter Kaffee: wie Koffein entfernt wird, wie viel übrig bleibt und wie er gut schmeckt

Entkoffeinierter Kaffee verständlich erklärt: CO2, Wasser, Ethylacetat und Dichlormethan im Vergleich, Restkoffein, Geschmack, Röstung und Zubereitung sowie für wen Decaf sinnvoll ist.

Entkoffeinierter Kaffee hatte lange einen schlechten Ruf: flach, papierig, eine Notlösung für alle, die keinen „richtigen“ Kaffee trinken dürfen. Das hat sich geändert. Spezialitätenröstereien bieten heute entkoffeinierte Kaffees aus guten Herkünften an, die nach Schokolade, Karamell und Frucht schmecken und im Blindtest oft kaum von ihren koffeinhaltigen Geschwistern zu unterscheiden sind. Wer abends noch einen Espresso genießen möchte, in der Schwangerschaft weniger Koffein aufnehmen will oder Koffein schlecht verträgt, findet heute echte Alternativen. Dieser Ratgeber erklärt, wie Kaffee entkoffeiniert wird, was die Verfahren unterscheidet und worauf du beim Kauf achtest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Entkoffeiniert wird Rohkaffee, also die grüne Bohne vor dem Rösten.
  • Gängige Verfahren arbeiten mit Wasser, Kohlendioxid (CO2), Ethylacetat oder Dichlormethan. Alle entfernen den größten Teil des Koffeins.
  • In Deutschland darf entkoffeinierter Röstkaffee höchstens 0,1 Prozent Koffein in der Trockenmasse enthalten. Eine Tasse enthält meist nur wenige Milligramm.
  • Moderne Verfahren schonen das Aroma. Entscheidend sind die Qualität des Rohkaffees und eine passende Röstung.
  • Entkoffeinierte Bohnen sind oft etwas poröser und altern schneller. Kaufe kleine Mengen.

Ein kurzer Blick in die Geschichte

Das erste kommerzielle Verfahren zur Entkoffeinierung entwickelte der Bremer Kaufmann Ludwig Roselius Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Bohnen wurden mit Dampf behandelt und mit einem Lösungsmittel gewaschen, das heute aus gesundheitlichen Gründen längst nicht mehr verwendet wird. Seitdem wurden die Verfahren immer weiter verbessert. Heute arbeiten Entkoffeinierungsbetriebe mit Methoden, die das Koffein gezielt entfernen und möglichst viele Aromastoffe erhalten.

Wie Entkoffeinierung funktioniert

Koffein ist wasserlöslich, ebenso wie viele andere Stoffe in der Kaffeebohne, die für den Geschmack wichtig sind. Die Kunst besteht darin, nur das Koffein herauszulösen. Alle Verfahren beginnen deshalb ähnlich: Der Rohkaffee wird mit Wasser oder Dampf vorgequollen, damit sich die Poren öffnen und das Koffein beweglich wird. Dann wird das Koffein mit einem Lösungsmittel oder über einen Filter entzogen. Zum Schluss werden die Bohnen gereinigt, gedämpft und wieder getrocknet, bevor sie wie normaler Rohkaffee geröstet werden.

Die Verfahren im Vergleich

VerfahrenSo funktioniert esBesonderheiten
Wasserverfahren, etwa Swiss WaterRohkaffee wird in einem Wasser eingeweicht, das bereits mit den löslichen Kaffeestoffen gesättigt ist, nur nicht mit Koffein. Das Koffein wandert ins Wasser und wird über Aktivkohle herausgefiltert.ohne Lösungsmittel, häufig bei Spezialitätenkaffee
CO2-VerfahrenKohlendioxid unter hohem Druck verhält sich wie ein Lösungsmittel und löst sehr gezielt Koffein.gilt als besonders schonend, wird im großen Maßstab eingesetzt
EthylacetatEthylacetat, ein Stoff, der auch natürlich in Früchten vorkommt, löst das Koffein. Oft aus Zuckerrohr gewonnen.wird gern als „natürlich entkoffeiniert“ oder „Sugarcane Decaf“ beworben, kann eine leicht fruchtige Note geben
DichlormethanEin chlorhaltiges Lösungsmittel löst das Koffein sehr selektiv. Es wird anschließend durch Dampf und Rösten nahezu vollständig entfernt.sehr effizient und aromaschonend, Restgehalte sind gesetzlich streng begrenzt

Welches Verfahren verwendet wurde, steht nicht immer auf der Packung. Spezialitätenröstereien geben es meist an. Für Rückstände von Lösungsmitteln gelten in der EU strenge Höchstwerte, die bei Kontrollen überprüft werden. Wer Lösungsmittel grundsätzlich meiden möchte, wählt Kaffees aus dem Wasser- oder CO2-Verfahren.

Wie viel Koffein bleibt übrig?

Ganz koffeinfrei ist entkoffeinierter Kaffee nicht. In Deutschland darf er als entkoffeiniert verkauft werden, wenn der Röstkaffee höchstens 0,1 Prozent Koffein in der Trockenmasse enthält. Zum Vergleich: Arabica-Röstkaffee enthält meist etwa 1 bis 1,5 Prozent, Robusta deutlich mehr. Eine Tasse entkoffeinierter Kaffee enthält deshalb typischerweise nur wenige Milligramm Koffein, ein normaler Filterkaffee ein Vielfaches davon. Wie viel Koffein in welchem Getränk steckt, zeigt Koffein in Kaffee und Tee.

Wer Koffein aus medizinischen Gründen streng meiden muss, sollte bedenken, dass sich auch kleine Mengen bei mehreren Tassen summieren, und das im Zweifel ärztlich besprechen.

Warum Decaf früher schlecht schmeckte

Der schlechte Ruf hatte Gründe. Lange Zeit wurden für die Entkoffeinierung oft günstige, mittelmäßige Rohkaffees verwendet. Die Verfahren waren weniger schonend, und die entkoffeinierten Bohnen wurden häufig sehr dunkel geröstet, um Mängel zu überdecken. Dazu kommt, dass entkoffeinierter Kaffee von Röstereien oft seltener verkauft wird, länger im Regal steht und deshalb alt beim Kunden ankommt.

Heute wählen gute Röstereien gezielt hochwertige Rohkaffees für die Entkoffeinierung aus, etwa aus Kolumbien, Peru oder Äthiopien, und rösten sie sorgfältig. Mehr über Herkünfte steht in Kaffee-Anbauländer und ihr Geschmack.

Rösten und Zubereiten

Entkoffeinierte Rohbohnen sehen schon vor dem Rösten bräunlicher aus und verhalten sich in der Röstmaschine anders: Sie bräunen schneller und sind poröser. Für dich als Kaffeetrinker heißt das:

  • Frische ist besonders wichtig. Entkoffeinierte Bohnen verlieren ihr Aroma schneller. Kaufe kleine Mengen und achte auf das Röstdatum, siehe Röstdatum und Frische.
  • Mahlgrad prüfen. Für Espresso brauchst du oft eine etwas andere Einstellung als bei deiner normalen Bohne, häufig etwas gröber, weil das Mehl leichter extrahiert. Mehr in Mahlgrad richtig einstellen.
  • Temperatur: Bei sehr dunkel gerösteten Decafs hilft eine etwas niedrigere Brühtemperatur, um Bitterkeit zu vermeiden.

Für wen ist Decaf sinnvoll?

  • Für alle, die abends Kaffee genießen möchten, ohne den Schlaf zu stören.
  • In der Schwangerschaft und Stillzeit, wenn die Koffeinmenge begrenzt werden soll. Die allgemeine Empfehlung liegt bei höchstens 200 Milligramm Koffein am Tag aus allen Quellen.
  • Für Menschen, die auf Koffein mit Herzklopfen, Unruhe oder Magenbeschwerden reagieren.
  • Für alle, die ihren Koffeinkonsum reduzieren möchten, aber den Geschmack und das Ritual nicht missen wollen. Eine Mischung aus normalem und entkoffeiniertem Kaffee, oft „Half Caf“ genannt, ist ein guter Zwischenschritt.

Decaf fair probieren

Viele Menschen glauben, entkoffeinierten Kaffee sofort zu erkennen. Ein kleiner Test zu Hause zeigt oft etwas anderes. Kaufe einen entkoffeinierten Kaffee und einen normalen Kaffee aus ähnlicher Herkunft und mit ähnlichem Röstgrad, am besten von derselben Rösterei. Lass eine zweite Person beide Kaffees mit derselben Methode, Menge und Mahlgradeinstellung zubereiten und in gleiche Tassen füllen, ohne dir zu sagen, welcher welcher ist. Probiere beide, während sie abkühlen, und notiere Süße, Säure, Körper und Nachgeschmack. Häufig sind die Unterschiede kleiner als erwartet, manchmal fällt der entkoffeinierte Kaffee etwas weicher und runder aus, manchmal etwas flacher. Wie du systematisch verkostest, zeigt Kaffee verkosten.

Wenn es ganz ohne Koffein sein soll

Wer Koffein vollständig meiden möchte oder muss, findet neben Decaf weitere Möglichkeiten. Getreidekaffee aus gerösteter Gerste, Roggen oder Zichorie hat einen kaffeeähnlichen, malzigen Geschmack und enthält kein Koffein. Rooibos, Honeybush, Kräuter- und Früchtetees sind von Natur aus koffeinfrei. Für den Abend ist ein warmer Rooibos-Chai eine schöne Alternative zum Espresso, siehe Chai selbst machen.

Worauf du beim Kauf achtest

  1. Röstdatum statt nur Mindesthaltbarkeitsdatum.
  2. Herkunft und Verfahren angegeben, das spricht für Sorgfalt.
  3. Ganze Bohnen, wenn du eine Mühle hast.
  4. Röstung passend zur Zubereitung, für Filter eher heller, für Espresso mittel.
  5. Kleine Packung, die du in zwei bis drei Wochen verbrauchst.

Häufige Fragen

Ist entkoffeinierter Kaffee ungesund?

Nein. Entkoffeinierter Kaffee unterliegt denselben Lebensmittelvorschriften wie normaler Kaffee, und für mögliche Lösungsmittelreste gelten strenge Grenzwerte. Er enthält weiterhin viele andere Inhaltsstoffe des Kaffees.

Gibt es Kaffeepflanzen ohne Koffein?

Es gibt natürlich koffeinarme Kaffeepflanzen, die erforscht werden, sie spielen im Handel aber kaum eine Rolle. Fast aller Decaf wird durch eines der beschriebenen Verfahren hergestellt.

Kann ich Tee auch entkoffeinieren?

Ja, entkoffeinierten Schwarz- und Grüntee gibt es im Handel, meist mit dem CO2-Verfahren behandelt. Alternativ sind Rooibos und Kräutertees von Natur aus koffeinfrei, siehe Rooibos und Honeybush.

Noch eine Tasse?

Passende Ratgeber